Startseite > Wozu gibt es Qualitätssiegel in der Naturkosmetik?

Wozu gibt es Qualitätssiegel in der Naturkosmetik?

Zertifizierte Naturkosmetik boomt und viele Menschen können sich ihre Pflegeroutine ohne natürliche Produkte nicht mehr vorstellen. Früher wurde Naturkosmetik mit selbstgerührten Pasten und unwirksamen Deos in Verbindung gebracht. Ganz im Gegensatz zu heute. Mittlerweile wissen viele, dass naturkosmetische Produkte den herkömmlichen Produkten in der Wirksamkeit in nichts nachstehen. Natürliche Inhaltsstoffe, die sowohl für die Haut als auch die Umwelt sind, liegen voll im Trend.

Doch woran erkennt man Naturkosmetikprodukte? Euphorische Beschreibungen und blumige Produktnamen geben keine zuverlässige Auskunft. Auch die Inhaltsstoffe, die auf der Verpackung angegeben sind, sind nicht jedem geläufig. Um das Ganze einfacher zu machen, haben sich unterschiedliche Organisationen und Unternehmen Gedanken gemacht, die Recherche zu vereinfachen und Naturkosmetikprodukte gleich auf einen Blick erkennbar zu machen – und zwar mit Qualitätssiegeln. Warum es wichtig ist, dass es diese Naturkosmetik Siegel gibt, erfahren Sie hier!

Was ist Naturkosmetik?

Der Begriff „Naturkosmetik“ ist rechtlich nicht eindeutig definiert und geschützt. Das Fehlen einer genauen Definition und konkreten Vorgaben für die Hersteller macht es dem Verbraucher oft nicht leicht, nachzuvollziehen, ob es sich bei dem Produkt um Naturkosmetik handelt oder nicht. Und dadurch, dass die Hersteller keine strikten Vorgaben, sondern oftmals nur ungefähre Richtwerte einhalten müssen, ist die Möglichkeit gegeben, den Verbraucher mit grünen Floskeln zu täuschen.

Damit aber nicht jeder Kosmetik als Naturkosmetik bezeichnen kann und dadurch ein falscher Eindruck erweckt wird, haben sich Kosmetikhersteller in Zusammenarbeit mit den Verbraucherverbänden und dem Bundesministerium für Gesundheit zusammengetan und gemeinsam einige Kriterien bestimmt. Naturkosmetik wird danach folgendermaßen definiert:

  • Kosmetika, die aus natürlichen Rohstoffen bestehen
  • Schonender für Mensch und Umwelt als herkömmliche Kosmetika
  • Ausgeschlossene Inhaltsstoffe sind: Polyethylenglykol (PEG), Silikone, Parabene, synthetische Duftstoffe, Paraffine und andere Erdölprodukte

 

Diese Vorgaben haben sich etabliert und werden als Maßstab benutzt. Seit 1993 gibt es die Vereinbarung, dass echte Naturkosmetik lediglich aus pflanzlichen, tierischen und mineralischen Naturstoffen bestehen darf und nur spezielle Konservierungsstoffe eingesetzt werden dürfen. Obwohl diese Abmachung nicht bindend war, bildet sie dennoch die Grundlage für die Bestimmung von Naturkosmetik.

Was ist der Unterschied zu naturnaher Kosmetik?

Beziehungsweise was ist überhaupt naturnahe Kosmetik? Wenn Sie diesen Begriff noch nie gehört haben, ist das kein Wunder. Eine Definition gibt es nämlich auch hier nicht. Naturnahe Kosmetik ist ein Mittelweg aus konventioneller und natürlicher Kosmetik. Teilweise werden chemische Stoffe durch natürliche Inhaltsstoffe ersetzt. Das bedeutet aber nicht, dass überhaupt keine chemischen Inhaltsstoffe mehr enthalten sind. So natürlich, wie die Produkte gerne präsentiert werden, sind sie häufig nicht.

Silikone, Mineralöle oder synthetische Konservierungsstoffe können sich nach wie vor in den Produkten befinden. Teilweise werden auch natürliche Inhaltsstoffe mit synthetischen Konservierungsstoffen haltbar gemacht nach dem Motto „so viel Chemie wie nötig und so viel Natur wie möglich“. Die Voraussetzungen gängiger Naturkosmetik Siegel (wie beispielsweise dem des BDIH oder NaTrue) können jedoch nicht eingehalten werden und daher ist naturnahe Kosmetik häufig nicht mit Siegeln ausgezeichnet.

Warum ist zertifizierte Naturkosmetik überhaupt besser?

Es ist nicht so, dass nur in Naturkosmetikprodukten natürliche Inhaltsstoffe enthalten sind. Diese werden sogar in herkömmlicher Kosmetik verwendet. Das Problem bei konventionellen Verfahren ist, dass natürliche Stoffe chemisch so verändert werden können, dass sie anschließend wenig mit dem Ausgangsrohstoff zu tun haben. Bei zertifizierter Naturkosmetik geht es genau darum, die Rohstoffe naturbelassen und ohne Vermischung mit chemischen Stoffen zu benutzen. In schonenden Verfahren werden die hochwertigen Inhaltsstoffe der Pflanzen gewonnen und als Öl, Wachs, Extrakt oder Wässerchen weiterverarbeitet. Gütesiegel stellen außerdem sicher, dass die ausgezeichneten Produkte konstant auf ihre Qualität überprüft werden und der Standard eingehalten wird.

Echte Naturkosmetik konzentriert sich jedoch nicht nur auf die natürlichen Inhaltsstoffe, sondern verfolgt vielmehr einen ganzheitlichen Ansatz, der die Umwelt schonen soll. Dazu gehört auch, dass möglichst wenig Verpackung benutzt wird, die im Idealfall aus recycelbaren und wiederverwertbaren Materialien besteht. Auch Tiere stehen unter besonderem Schutz: Tierversuche sind bei zertifizierter Naturkosmetik nicht erlaubt. (Link zu dem Artikel: Kosmetik ohne Tierversuche)

Ist Natur gleich Natur?

Dass Naturkosmetik so boomt, haben sich einige Hersteller zunutze gemacht und sind sprichwörtlich auf den Zug aufgesprungen. Produkte werden häufig mit Bezeichnungen wie Bio, Natural oder Natürlich geschmückt. Oft versteckt sich hinter solchen Bezeichnungen jedoch nur eine Marketingstrategie, das sogenannte Greenwashing, um dem Verbraucher ein gutes Gefühl beim Kauf zu geben. Greenwashing bedeutet wörtlich übersetzt etwas grünwaschen, im übertragenen Sinn ist damit gemeint, dass Unternehmen nach außen bewusst den Anschein erwecken wollen, dass sie umweltfreundlich und verantwortungsbewusst sind.

Im Grunde handelt es sich dabei um reine PR-Methoden und damit um eine Täuschung der Verbraucher. Da Greenwashing auch im Kosmetikbereich immer beliebter wird, sind Qualitätssiegel eine verlässliche Quelle zur Auswahl tatsächlich natürlicher Produkte. So kann schnell herausgefunden werden, ob die Creme „mit pflanzlichen Extrakten“ wirklich Naturkosmetik ist oder nur konventionelle Kosmetik mit grünem Anstrich.

Der Schaden, der durch das Greenwashing angerichtet wurde, ist enorm. Wenn nämlich einige Hersteller nur von dem Trend profitieren wollen und dem Verbraucher Informationen vorbehalten, kann es passieren, dass sich der Verbraucher hintergangen fühlt.

Diese Stoffe sind bei zertifizierter Naturkosmetik nicht erlaubt!

  • Erdöl

Man will es nicht glauben, aber der Hauptinhaltsstoff in der konventionellen Kosmetikindustrie ist Erdöl. Ja, das Erdöl, aus dem Heizmaterial, Benzin und Plastik hergestellt wird. Paraffine befinden sich in Cremes, Lotionen und Lippenstiften. Mineralöle sind zwar in der Regel gut verträglich, sie liefern jedoch keine Nährstoffe. Außerdem dichten sie die Hautoberfläche ab, was zur Folge hat, dass sich darunter Bakterien und Keime bilden können, was zu Mitesser und Akne führen kann. Synthetisches Glycerin wird bei der Erdölverarbeitung gewonnen und ist in Cremes enthalten. Zertifizierte Naturkosmetik hingegen verwendet pflanzliche Wachse und Öle wie Kokosöl, Avocadoöl oder Mandelöl.

  • Silikone

Auch Silikone dürfen nicht in echten Naturkosmetikprodukten enthalten sein. Silikone sind aus Erdöl gewonnene Kunststoffe und werden in der herkömmlichen Kosmetik besonders in Shampoos, Spülungen und Cremes eingesetzt. Die Wirkweise von Silikonen ist, dass sie auf der Haut und um die Haare einen Film bilden, der vor dem Austreten von Feuchtigkeit schützen soll. Gleichzeitig wird aber die Regeneration beeinträchtigt, weil keine Wirkstoffe mehr in die Haut oder die Haare vordringen können. Seit die Schädlichkeit von Silikonen auch in der Öffentlichkeit mehr und mehr publik wurde, verzichten mittlerweile sogar konventionelle Kosmetikunternehmen in Shampoos häufig auf Silikonen.

  • Parabene

In echter Naturkosmetik dürfen sich keine Parabene befinden. Das sind Konservierungsstoffe, die die Haltbarkeit von Kosmetikprodukten verlängern. In ihrer Struktur sind Parabene dem weiblichen Sexualhormon sehr ähnlich. Durch die Aufnahme über die Haut können die Parabene in den Körper gelangen. Es besteht die Gefahr, dass der Hormonhaushalt durcheinander gebracht wird. Ergebnisse beim Menschen gibt es dazu noch nicht, bei Studien mit Ratten hat sich jedoch die Befürchtung bestätigt. Bei männlichen Ratten ist der Testosteronspiegel gesunken und bei weiblichen Ratten ist ein Anwachsen des Uterus festgestellt worden.

  • Künstliche Duftstoffe

Künstliche Duftstoffe haben in zertifizierter Naturkosmetik nichts zu suchen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Kosmetikprodukten dürfen sich darin nur natürliche Duftstoffe befinden, die aus Blüten, Blätter oder Gewürzen hergestellt werden. Erwähnenswert ist aber, dass nicht nur synthetische, sondern auch pflanzliche Duftstoffe Irritationen auslösen können. Trotzdem ist die natürliche Variante die bessere Wahl. In der Naturkosmetik werden nämlich die Duftstoffe nicht chemisch isoliert und einzeln verwendet, sondern das ätherische Öl, welches aus mehreren Substanzen besteht, wird als Ganzes verwendet und ergibt dann den Duftstoff. Für Menschen, die Allergien gegen einzelne Stoffe haben, ist die Benutzung von Naturkosmetikprodukten weitaus verträglicher. Zudem gibt es auch Hersteller, die in einzelnen Serien komplett auf die Zugabe von Duftstoffen verzichtet, was besonders Menschen mit sensibler oder allergischer Haut entgegenkommt.

Naturkosmetik ist immer Bio – ein Mythos?

Naturkosmetik wird häufig mit Bio Kosmetik gleichgesetzt. Das ist aber nicht immer so. Bio Kosmetik ist eine strenge Form der Naturkosmetik. Bio Kosmetik besteht hauptsächlich aus Inhaltsstoffen, die aus kontrolliert biologischem Anbau stammen. Außerdem wird vorausgesetzt, dass die Produkte umwelt- und ressourcenschonend produziert werden. Auch die Verpackungen sollen möglichst zurückhaltend eingesetzt werden und recycelbar sein.

Wem es wichtig ist, dass der Großteil der pflanzlichen Inhaltsstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau ist, soll sich nicht auf die Bezeichnung Bio verlassen, sondern sollte sich lieber an den folgenden zertifizierten Naturkosmetik Siegeln orientieren:

  • Das Natrue Siegel verlangt für die Bezeichnung Organic cosmetics, dass mindestens 95 Prozent der Naturbestandteile aus kontrolliert biologischem Anbau sein müssen.
  • Genauso ist es bei dem BDIH Siegel: Damit ein Produkt als Bio bezeichnet wird, muss der Bio-Anteil mindestens 95 Prozent betragen.

 

Wer zeichnet Naturkosmetik aus?

Die großen Zertifizierungsstellen gehören meist zu Verbänden, die keine Verbindung zu den Herstellern haben. So wird der Leaping Bunny von einer Tierschutzorganisation, der ECEAE, verliehen, während das USDA-Siegel von der amerikanischen Behörde für Landwirtschaft vergeben wird.

Grundsätzlich gilt: namhafte und bekannte Siegel sind vertrauenswürdiger als selbst erstellte Siegel des Herstellers. Da eigenständige Zertifizierer die Produkte vom Hersteller unabhängig testen, sind die Ergebnisse zuverlässiger. Nur Produkte, die wirklich den strengen Anforderungen entsprechen dürfen auch das jeweilige Siegel tragen.

Was sagen einzelne Siegel aus?

Am strengsten ist wohl das Demeter-Siegel, welches nur an Produkte verliehen wird, deren Rohstoffe aus Demeter-Anbau stammen und somit biologisch, nachhaltig und größtenteils vegetarisch oder vegan sind. Aber auch Kosmetik ohne Tierversuche kann mit Siegeln belegt werden, beispielsweise dem Leaping Bunny oder dem IHTK – dem Hasen mit der schützenden Hand.

 

Bitte klicken Sie eines der folgenden Siegel für weitere Informationen.

 

Wozu gibt es Qualitätssiegel in der Naturkosmetik?
Beitrag bewerten