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Öko-Test als Entscheidungshilfe – vertrauenswert oder nur Humbug?

Da Öko-Test oftmals strenger als der Gesetzgeber entscheidet, fallen häufig Produkte durch, die bis dahin als gut galten. Das liegt daran, dass die Gesundheit für Öko-Test an erster Stelle steht und daher schon geringe Mengen kritischer Stoffe abgelehnt werden. So können Sie sich sicher sein, dass die Produkte hohen Standards entsprechen und Sie nur unbedenklichean Ihre Haut lassen. Kann ich meine neue Hautcreme bedenkenlos für meine sensible Haut nutzen? Oder auch: Ist meine neue Zahnpasta wirklich ohne Giftstoffe? Für diese Fragen gibt es eine Anlaufstelle, die Zeitschrift Öko-Test, die zudem das Öko-Test Siegel vergibt. Sie testet Inhaltsstoffe und Deklaration mehrerer Produkte und ermittelt so, wo Mängel bestehen und welches Produkt empfehlenswert ist.

Was ist Öko-Test?

Öko-Test ist eine regelmäßig erscheinende Zeitschrift, die, ähnlich wie Stiftung Warentest, Produkte und Dienstleistungen untersucht, vergleicht und bewertet. Dabei wird vor allem auf gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe untersucht und schon geringe Mengen können ein „ungenügend“ als Bewertung zur Folge haben – selbst wenn die Menge per Gesetz erlaubt ist. Dies führt dazu, dass Öko-Test häufig sehr viel strenger als der Gesetzgeber entscheidet. Öko-Test orientiert sich grundsätzlich an den gesetzlichen Richtwerten, zieht es jedoch auch in Betracht, ob es für den schädlichen Stoff nicht-schädliche Alternativen gibt und achtet somit an erster Stelle auf den Verbraucherschutz. Da vor allem die Verwendung von nicht-schädlichen Stoffen auch im Bereich Naturkosmetik eine extrem wichtige Rolle spielt, kann man Öko-Test in diesem Bereich auch als Naturkosmetik-Test ansehen. Des Weiteren gibt es häufiger Schlupflöcher im Gesetz, so dass ein Inhaltsstoff bei Textilien beispielsweise verboten ist, bei Spielzeug jedoch trotzdem noch verwendet werden kann, da Spielzeug nicht im Gesetz namentlich genannt wurde. Hier kann Öko-Test auch das Spielzeug „abstrafen“, während der Gesetzgeber nur Textilien verbieten kann. Mit dem Siegel des Öko-Tests können Sie also immer sicher sein, dass keine gesundheitsschädlichen Stoffe im vorliegenden Produkt zu finden sind.

Auch bei Gen-Technik fährt Öko-Test eine Nulltoleranzpolitik. Laut Gesetzgebern sind 0,9 Prozent gentechnische Inhaltsstoffe erlaubt und Produkte unter dieser Grenze werden als gentechnikfrei betitelt. Öko-Test wertet jedoch schon ab, selbst wenn die Produkte gerade einmal 0,01 Prozent gentechnisch veränderte Stoffe beinhalten. Schließlich lehnt ein Großteil der Verbraucher Gen-Technik vehement ab und sollte umfassend informiert sein, in welchen Produkten Gen-Technik zu finden ist. Zudem kann sich Öko-Test mit seiner strengen Untersuchung brüsten, da oftmals negativ bewertete Stoffe in Gesetzen später eingeschränkt und/oder ganz verboten werden. So geschehen im Falle von schädlichen Weichmachern in Babybeißringen und Kinderspielzeug, sowie bei allergieauslösenden Konservierungsstoffen, die man entsprechend dieses Naturkosmetik-Tests in Naturkosmetik beispielsweise gar nicht erst verwendet.

Öko-Test beschäftigt sich seit seinem ersten Erscheinen im April 1985 mit Schadstoffen in Lebensmitteln, Kosmetik oder Spielzeug, außerdem Dienstleitungen wie Versicherungen oder Riester-Renten. Das „Öko“ im Namen soll dabei nicht darauf hinweisen, dass es sich um biologische Waren handelt. Es werden nicht nur Produkte getestet, sondern zusätzlich wird ein Augenmerk auf Umweltschutz und Gesundheit gelegt.

Was testet Öko-Test?

Öko-Test ist mittlerweile breit aufgestellt und führt in quasi jedem Lebensbereich Tests durch. So findet man Naturkosmetik Tests, Tests zu verschiedenen Cremes und Deos, Ausrüstung wie Trekkingstöcke, Putz- und Hausmittel, sowie Saugroboter, Holzdielen, Stromtarife und natürlich auch Lebensmittel, vom Brokkoli bis zum Orangensaft. Öko-Test führt sogar Tests zu Versicherungen durch, wie beispielsweise Handy- und Hausratsversicherungen. Natürlich testet Öko-Test auch Kosmetik, jedoch nicht nur ökologische, sondern auch konventionelle, um den Verbraucher bestmöglich zu informieren.

Testergebnisse sind dabei nicht übertragbar, sondern gelten immer nur für testidentische Produkte. Wenn beispielsweise ein blaues Jeanskleid getestet wird, dann kann nur für dieses das Siegel vergeben werden. Die grüne Version des Jeanskleides bekommt nicht das gleiche Siegel, da die verschiedenen Farbstoffe zu verschiedenen Testergebnissen führen können. So könnten im grünen Farbstoff Giftstoffe enthalten sein, die im blauen Farbstoff nicht zu finden sind. Wenn ein Produkt allerdings getestet wurde und ein Siegel erhalten hat, so gilt das für jedes identische Produkte aus dieser Serie des Herstellers und nicht nur für das eine, welches getestet wurde. So hat der Hersteller für gleichbleibende Qualität zu sorgen. Bei Obst und anderen frischen Lebensmittel ist die Prozedur etwas schwieriger. Schließlich kann man bei diesen Produkten nicht eins testen und davon ausgehen, dass alle weiteren Früchte ebenso sind. In diesem besonderen Fall testet Öko-Test immer drei verschiedene Chargen.

Bio-Produkte bekommen bei Öko-Test übrigens keine Sonderbehandlung, bzw. werden nicht besser bewertet als konventionelle. Das Magazin begründet dies damit, dass biologischer Anbau im Labor nicht nachzuweisen ist und man sich somit auf Herstellerangaben verlassen müsste. Leider kann man den Herstellern nicht immer zu hundert Prozent vertrauen, sonst wären schließlich auch keine Tests nötig, um Giftstoffe aufzudecken. Zudem wollen oder können sich manche Firmen das Bio-Siegel nicht leisten. Würde Öko-Test in Tests immer Bio-Produkte am besten bewerten, würden die Firmen, die sich kein Siegel leisten können, stets schlechter bewertet werden, obwohl die Qualität gleich oder vergleichbar ist. Das Bioprodukte also keinen Bonus bekommen, ist somit nur fair. Außerdem können Bio-Lebensmittel meist von Haus aus mehr überzeugen, schließlich haben sie Testkriterien, wie keine Pestizide, Giftstoffe und ähnliches, bereits verinnerlicht. Dies erklärt wieso Öko-Test auch nicht ökologische Produkte und Discounterware testet. Des Weiteren sollen auch Menschen, die sich nur Discounterware leisten können, erfahren bei welchen Lebensmitteln und Produkten sie bedenkenlos zugreifen können.

Auch auf Kinderarbeit, Tierhaltung und fairen Handel legt Öko-Test wert. Diese Kriterien testen sie jedoch nicht im Labor, sondern befragen die Hersteller dazu. Nur wer ausreichend Dokumente vorlegt und Transparenz beweist, wird bei den CSR-Tests (Corporate Social Responsibility – Tests) berücksichtigt.

Da zertifizierte Naturkosmetik meist bereits Nachhaltigkeit, soziale Werte und natürliche Inhaltsstoffe vereint, kann sie auch häufig bei Öko-Test überzeugen. So schnitt zum Beispiel das Weleda intensiv pflegende Haaröl im Naturkosmetik Test mit „sehr gut“ ab und ließ die konventionelle Konkurrenz weit hinter sich.

Wie testet Öko-Test?

Die Produkte werden anonym eingekauft und danach von unabhängigen Laboren auf jeweils in Frage kommende, kritische Inhaltsstoffe getestet. Beispielsweise werden bei Kosmetik Allergene berücksichtigt, bei Honig die Pollenbelastung oder bei Haarspray Filmbildner. Liegen die Werte vor, werden sie interpretiert und von den Reportern auch für Nicht-Chemiker verständlich gemacht.

Dabei setzt der Verlag auf unabhängige, hochspezialisierte Labore. Öko-Test hat kein eigenes Labor, da Tests unabhängig sein müssen und die Unabhängigkeit bei einem eigenen Labor in Frage gestellt werden würde. Darüber hinaus hätten die Tests vermutlich eine geringere Qualität. Die Unabhängigkeit der Labore wird durch entsprechende Zulassungen und Qualifikationen garantiert. Früher hat Öko-Test auch die Namen der Labore veröffentlicht, um so transparent wie möglich zu sein. Dies wurde jedoch gestoppt, als Hersteller den genannten Laboren Druck machten und drohten den Laboren die Aufträge zu entziehen, wenn diese weiter für das Magazin Tests durchführen würden. Es kam dadurch tatsächlich zur Weigerung einiger Labore weiterhin für Öko-Test zu arbeiten, so dass das Magazin als Konsequenz die Labornamen nicht mehr veröffentlicht.

Ein großer Teil der Einnahmen vom Magazin werden durch Anzeigen im Heft generiert. Das lässt immer wieder das Gerücht aufkommen, dass Öko-Test nicht unabhängig wäre, sondern Anzeigenkunden bevorzugt behandelt. Selbstverständlich ist dem nicht so und auch gerichtlich wurde bereits entschieden, dass Anzeigen keinen Einfluss auf die Neutralität haben. Sie können also sicher sein, dass gut bewertete Produkte auch wirklich gut sind und das Siegel nicht erkauft wurde.

Die teilweise recht strenge Beurteilung mancher Produkte liegt an dem Anspruch, auch schon kleine Risiken für die Gesundheit deutlich zu machen. So konnte sich die PUR Feuchtigkeitscreme von Logona gegen die Konkurrenz durchsetzen, da sie für Allergiker besonders verträglich ist.

In Kombination mit Naturkosmetik-Siegeln ist Öko-Test sicherlich eine große Hilfe, um die für Sie passenden Produkte im ständig wachsenden Kosmetik-Angebot zu finden.

Das Öko-Test Siegel – Ein vertrauenswürdiges Label?

Öko-Test Siegel werden, neben der Verbreitung der Tests, für die bestbewerteten Produkte vergeben. Beziehungsweise, eigentlich vergibt das Magazin das Siegel nicht direkt, sondern gestattet den Firmen mit dem Label zu werben. Die Firmen werben logischerweise nur mit dem Ergebnis, wenn dieses auch gut für sie ausfällt oder sie Testsieger sind. Daher gibt es keine Öko-Test Siegel mit schlechten Bewertungen auf Produkten, da das Heft die Firmen nicht zwingen kann, mit schlechten Ergebnissen zu werben.

Sobald eine Firma mit dem Öko-Test Siegel und ihrem Ergebnis wirbt, können Sie auch sicher sein, dass dies gültig ist. Bei Betrug oder fälschlicher Werbung mit dem Siegel legt Öko-Test sofort Widerspruch ein und zwingt die Firmen die falsch deklarierten Produkte aus dem Sortiment zu nehmen. Zusätzlich schalten sich auch die Konkurrenten der Firma ein, da diese durch die falsche Werbung mit dem Siegel natürlich benachteiligt werden. Der Verbraucher greift dann schließlich lieber zu dem gut bewerteten Produkt, anstatt zum Produkt ohne Testergebnis. Sobald so ein Missbrauch auffällig wird, muss die Firma die Verpackungen überkleben. Eine Aufbrauchsfrist gewährt Öko-Test nur, wenn das Produkt sich selbst nicht geändert hat, aber beispielsweise die Verpackung. Denn bereits bei der Veränderung der Verpackung dürfen Firmen nicht mehr mit dem Siegel werben, schließlich könnten in der neuen Verpackung Giftstoffe sein, die in der alten nicht vorhanden waren.

Gültig ist das Öko-Test Siegel ansonsten solange bis es einen neuen Test gibt und das Produkt nicht verändert wurde. Wenn also ein Produkt vor einigen Jahren mit sehr gut bewertet wurde, nach einiger Zeit aber erneut getestet wird und nur noch mit befriedigend abschneidet, darf es nun natürlich nicht mehr mit der „Sehr Gut“-Note werben. Außerdem gilt seit 2013 eine 5-Jahresfrist für alle gelabelten Produkte, das heißt, dass man nach fünf Jahren automatisch nicht mehr mit dem Testergebnis werben darf, falls kein neues Ergebnis vorhanden ist. Dies dient lediglich der besseren Übersicht, da Öko-Test irgendwann nicht mehr nachvollziehen konnte, ob deklarierte Produkte, die mit dem Label werben, seit dem letzten Test tatsächlich nicht mehr verändert worden waren.

Sobald Sie also ein Produkt mit dem Öko-Test Siegel sehen, können Sie sicher sein, dass dieses Produkt vor maximal fünf Jahren getestet und seitdem nicht verändert worden ist. So kann Ihnen das Siegel in manchen Fällen definitiv bei einer Entscheidung helfen, wenn Sie sicher gehen möchten, schadstofffrei und ökologisch einzukaufen.

 

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